Arbeitszeitgesetz: 12-Stunden-Schichten und mehr Flexibilität geplant
Die Bundesregierung unter Friedrich Merz plant eine Reform des Arbeitszeitgesetzes, die den bisherigen Acht-Stunden-Tag aufweichen könnte. Arbeitnehmer und Experten sind gespalten.
Neue Arbeitszeitregelung: Wöchentliche statt tägliche Höchstarbeitszeit
Die Regierung von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) plant eine Änderung des Arbeitszeitgesetzes. Der bisherige Acht-Stunden-Tag könnte durch eine wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden ersetzt werden. Dies würde Arbeitstage von bis zu 12 Stunden und 15 Minuten erlauben, wie Berechnungen des Hugo Sinzheimer Instituts für Arbeitsrecht (HSI) zeigen. Arbeitnehmer hätten dadurch die Möglichkeit, längere Arbeitstage durch kürzere an anderen Tagen auszugleichen, was laut Regierung mehr Flexibilität und eine bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben bringen soll.
Fachkräftemangel und wirtschaftliche Vorteile im Fokus
Die Arbeitszeitgesetz-Reform soll nicht nur Arbeitnehmer entlasten, sondern auch die Wirtschaft stärken. Union und SPD erhoffen sich durch flexiblere Arbeitszeiten eine bessere Bewältigung von Auftragsspitzen und eine Steigerung der Attraktivität des Arbeitsmarkts für Eltern, pflegende Angehörige und ältere Arbeitnehmer. Langfristig soll die Reform dem Fachkräftemangel entgegenwirken und Unternehmen ermöglichen, ihre Belegschaft effizienter einzusetzen.
HSI warnt vor gesundheitlichen Risiken durch längere Arbeitstage
Das Hugo Sinzheimer Institut für Arbeitsrecht kritisiert die Pläne der Bundesregierung deutlich. Studien belegen, dass Arbeitszeiten von über acht Stunden das Risiko für Burnout, Erschöpfung, Schlaganfälle, Diabetes und ein erhöhtes Krebsrisiko steigern. Die HSI-Expertinnen und -Experten argumentieren, dass die Reform weder die Vereinbarkeit von Beruf und Familie noch die Gesundheit der Beschäftigten verbessern werde. Im Gegenteil: Fehlende Planbarkeit und Vorhersehbarkeit könnten die Lage vieler Arbeitnehmer verschärfen.
Wirtschaftsvertreter begrüßen Reformpläne
Der Verband der bayerischen Wirtschaft (vbw) unterstützt die geplanten Änderungen. Er argumentiert, dass gesundheitliche Risiken durch lange Arbeitstage durch Erholungsphasen an anderen Tagen kompensiert werden könnten. Diese Einschätzung steht jedoch in direktem Widerspruch zu den Erkenntnissen des HSI.