GovTech: Wenn der Staat Kunde wird
Der GovTech-Startup-Monitor 2026 zeigt, dass Deutschland nicht an fehlenden GovTech-Lösungen für die Verwaltung leidet. Vielmehr scheitert die Zusammenarbeit zwischen Startups und öffentlicher Hand häufig an Strukturen, langen Entscheidungswegen und komplexen Vergabeverfahren. Der Report fasst das Kernproblem deutlich zusammen: Nicht Innovation ist das Problem, sondern die Umsetzung.
Großes Potenzial, schwieriger Zugang
Viele Startups verfügen bereits über Lösungen, die für den öffentlichen Sektor relevant wären. 83 % der befragten Startups halten ihre Produkte für in der Verwaltung einsetzbar oder anpassbar. Dennoch haben sich bisher nur 42 % um öffentliche Aufträge beworben, und nur 24 % haben tatsächlich welche erhalten. Damit bleibt ein großer Teil des GovTech-Potenzials ungenutzt.
Öffentlicher Sektor ist relevant, aber operativ anspruchsvoll
Der Staat bietet aus Sicht vieler GovTech-affiner Startups großes Marktpotenzial: 78 % sehen großes Potenzial beim Staat, 71 % schätzen öffentliche Auftraggeber als wichtigen Referenzkunden. Gleichzeitig bewerten nur 11 % der befragten Startups den öffentlichen Markt als attraktiver als den privaten Markt. Ein Grund dafür ist die starke Fragmentierung der Verwaltung: 81 % der Startups empfinden es als schwierig, die richtigen Ansprechpartner auf Verwaltungsseite zu finden.
Vergabeprozesse bremsen junge Anbieter aus
Der Monitor macht deutlich, dass viele Hürden bereits vor der eigentlichen Vergabe entstehen. Komplexe Ausschreibungen, lange Verfahren und ein ungünstiges Verhältnis zwischen Aufwand und erwartetem Ertrag halten Startups davon ab, sich auf öffentliche Aufträge zu bewerben. 77 % der Startups sehen aktuelle Vergabeverfahren als vorteilhaft für etablierte Anbieter, 92 % wünschen sich einen stärkeren Fokus auf Ergebnisse statt auf Prozesse.
Beschaffung als Hebel für digitale Souveränität
Der Report stellt öffentliche Beschaffung nicht nur als Verwaltungsprozess dar, sondern als strategischen Hebel für digitale Souveränität und Wachstum. 86 % der Startups verstehen Beschaffung auch als Souveränitätsfrage. Bei besseren Rahmenbedingungen würden sich 71 % stärker auf den öffentlichen Sektor fokussieren. Besonders wichtig sind aus Startup-Sicht schnellere Entscheidungsprozesse und ein startup-tauglicheres Vergaberecht.
Quelle: GovTech Startup Monitor 2026
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