Was versteht man unter HOAI?

Die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) ist eine Verordnung des Bundes zur Regelung der Vergütung (Honorar) der Leistungen von Architekten und Ingenieuren in Deutschland.

Das Honorar wird zwischen dem Auftraggeber einerseits und dem Architekt bzw. Ingenieur andererseits auf Basis der Regelungen der HOAI vereinbart. Die in der HOAI vorgesehenen Honorarspannen dienen dabei als Orientierungsrahmen; verbindliche Mindest- oder Höchstsätze bestehen nach aktueller Rechtslage nicht mehr.

Rechtliche Einordnung der HOAI

Die HOAI ist eine bundesrechtliche Preisrechtsverordnung und konkretisiert, wie Honorare für bestimmte Planungsleistungen systematisch ermittelt werden können. Sie enthält Leistungsbilder, Honorarzonen sowie Berechnungsparameter und schafft damit eine einheitliche Struktur für die Honorargestaltung. Ihre rechtliche Bedeutung hat sich jedoch durch die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs grundlegend gewandelt. Die früher verbindlichen Mindest- und Höchstsätze wurden als unionsrechtswidrig eingestuft, da sie gegen die Dienstleistungsfreiheit verstoßen. Seitdem ist die HOAI weiterhin anwendbar, jedoch nur noch mit empfehlendem Charakter.

Bedeutung der HOAI im Vergabeverfahren

Im Vergaberecht spielt die HOAI insbesondere bei der Beschaffung von Planungsleistungen eine zentrale Rolle. Öffentliche Auftraggeber greifen häufig auf die Systematik der HOAI zurück, um Leistungen zu beschreiben, Angebote vergleichbar zu machen und Honorare sachgerecht zu kalkulieren. Auch wenn keine zwingende Bindung mehr besteht, bietet die HOAI eine etablierte Orientierung für die Leistungsabgrenzung und die Bewertung der Angemessenheit von Angeboten. Sie erleichtert damit die transparente Durchführung von Vergabeverfahren und reduziert das Risiko von Nachprüfungsverfahren aufgrund unklarer oder unangemessener Honoraransätze.

Abgrenzung zu ähnlichen Regelwerken

Von der HOAI abzugrenzen sind frei vereinbarte Honorarmodelle, die vollständig ohne Bezug auf die Verordnung ausgestaltet werden. Ebenso zu unterscheiden sind andere berufsrechtliche oder vertragliche Regelungen, die etwa pauschale Vergütungen oder erfolgsabhängige Honorare vorsehen. Die HOAI entfaltet keine automatische Geltung, sondern wird nur dann maßgeblich, wenn sie vertraglich vereinbart oder zumindest als Berechnungsgrundlage herangezogen wird.

Praktische Bedeutung für Auftraggeber und Unternehmen

Für Auftraggeber bietet die HOAI eine bewährte Struktur zur Leistungsbeschreibung und Honorarermittlung, insbesondere bei komplexen Bau- und Planungsprojekten. Unternehmen profitieren von einer transparenten und nachvollziehbaren Kalkulationsgrundlage, auch wenn sie nicht mehr an starre Honorarsätze gebunden sind. In der Praxis ist daher eine klare vertragliche Regelung entscheidend, um Streitigkeiten über die Vergütung zu vermeiden. Digitale Vergabemanagement-Lösungen können hierbei unterstützen, indem sie HOAI-Leistungsbilder systematisch abbilden und eine konsistente Dokumentation der Honorarvereinbarungen ermöglichen.

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