Was ist ein Nachweis der Fachkunde?

Der Nachweis der Fachkunde belegt die berufliche Qualifikation, Kenntnisse und Erfahrungen eines Unternehmens oder einer Person zur sachgerechten Ausführung einer ausgeschriebenen Leistung im Rahmen öffentlicher Aufträge. Er ist ein zentrales Eignungskriterium im Vergaberecht und dient dem Auftraggeber dazu, die technische und berufliche Leistungsfähigkeit der Bieter objektiv zu beurteilen.

Rechtliche Grundlagen und Anforderungen

Der Nachweis der Fachkunde ist in verschiedenen Vergaberegelungen verankert, insbesondere in

  • § 33 UVgO (Unterschwellenvergabeordnung) – regelt die Anforderungen an die Fachkunde und Berufsausübung,

  • § 6b VOB/A Abs. 3 (Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen),

  • § 122 GWB (Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen) – definiert die Grundsätze der Eignungsprüfung.

Zum Nachweis der Fachkunde gehört in der Regel:

  • der Eintrag in einem Berufsregister, z. B. Handwerksrolle bei handwerklichen Leistungen, IHK-Berufsregister bei gewerblichen oder freiberuflichen Tätigkeiten,

  • geeignete Referenzen und Projektnachweise,

  • gegebenenfalls Zertifikate, Ausbildungsnachweise oder Qualifizierungen von Fachpersonal.

Was umfasst die Fachkunde konkret?

Die Fachkunde beinhaltet nicht nur das reine Fachwissen, sondern auch praktische Fähigkeiten und Erfahrungen, um die geforderte Leistung qualitativ und wirtschaftlich einwandfrei zu erbringen. Dazu zählen:

  • Fachliche Kompetenz des Managements und der Mitarbeiter,

  • Technische Ausstattung und Know-how,

  • Branchenspezifische Erfahrung, z. B. in Bauwesen, IT oder Dienstleistungen,

  • Einhaltung technischer Normen und Qualitätsstandards (z. B. DIN, ISO).

Ein fachkundiges Unternehmen zeichnet sich dadurch aus, dass es die Anforderungen der Leistungsbeschreibung nachweislich versteht und umsetzen kann.

Wie wird die Fachkunde nachgewiesen?

Unternehmen können ihre Fachkunde auf verschiedene Weise belegen:

  1. Eintrag in ein amtliches Verzeichnis oder eine Präqualifikation (z. B. im amtlichen Verzeichnis präqualifizierter Unternehmen – PQ-VOB oder PQ-VOL).

  2. Einreichung aktueller Referenzprojekte, die den Leistungsumfang und die Qualität veranschaulichen.

  3. Nachweise über Qualifikationen oder Zertifikate von Schlüsselpersonal.

  4. Unternehmensdarstellungen, die technische und organisatorische Kompetenzen dokumentieren.

Warum ist der Nachweis der Fachkunde wichtig?

Die Prüfung der Fachkunde schützt öffentliche Auftraggeber vor Risiken wie mangelhaften Leistungen oder Projektverzögerungen. Sie stellt sicher, dass nur leistungsfähige und zuverlässige Bieter zum Zug kommen.

Außerdem trägt sie zu Transparenz und Fairness im Vergabeverfahren bei, indem einheitliche Maßstäbe für alle Teilnehmer gelten. Durch die wachsende Bedeutung von Digitalisierung und Nachhaltigkeit kann der Nachweis heute auch Aspekte wie technologische Innovationsfähigkeit oder Einhaltung ökologischer Standards umfassen.

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