Was ist eine öffentliche Ausschreibung?

Die öffentliche Ausschreibung ist ein einstufiges Vergabeverfahren für Ausschreibungen im nationalen Vergaberecht. Diese muss grundsätzlich vor allen anderen Verfahrensarten gewählt werden. Mit einer öffentlichen Bekanntmachung fordert der Auftraggeber unbegrenzt viele Unternehmen zu Angebotsabgabe auf. Bei öffentlichen Ausschreibungen werden Bauleistungen, Lieferleistungen, Dienstleistungen oder freiberufliche Leistungen im vorgeschriebenen Verfahren vergeben.

Grundlagen und rechtlicher Rahmen

Rechtsgrundlagen für die öffentliche Ausschreibung finden sich sowohl im nationalen als auch im europäischen Vergaberecht. Auf nationaler Ebene sind insbesondere § 9 UVgO und § 3 VOB/A maßgeblich, während auf europäischer Ebene die Richtlinien 2014/24/EU und 2014/25/EU gelten. Grundsätzlich ist die öffentliche Ausschreibung in vielen Bereichen die bevorzugte Vergabeart, etwa bei Bauleistungen nach der VOB/A sowie bei Liefer- und Dienstleistungen gemäß UVgO oder VgV. Auch freiberufliche Leistungen können über dieses Verfahren vergeben werden, sofern keine speziellen Sonderregelungen greifen. Ziel ist stets die effiziente, rechtssichere und wettbewerbsorientierte Beschaffung.

Wie funktioniert eine öffentliche Ausschreibung?

Der Ablauf einer öffentlichen Ausschreibung folgt einem klar strukturierten Verfahren. Zunächst veröffentlicht der Auftraggeber die Ausschreibung auf geeigneten Bekanntmachungsplattformen, sodass alle potenziellen Bieter freien Zugang zu den Unterlagen haben. Interessierte Unternehmen können innerhalb der festgelegten Frist ein Angebot einreichen, wobei bei EU-weiten Ausschreibungen die elektronische Angebotsabgabe verpflichtend ist.

Anschließend prüft der Auftraggeber alle eingegangenen Angebote sorgfältig. Die Bewertung erfolgt nach formellen, fachlichen und wirtschaftlichen Kriterien. Entscheidend für den Zuschlag ist entweder der niedrigste Preis oder das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Nach Abschluss der Wertung und Ablauf der Bindefrist erhält das wirtschaftlichste Angebot den Zuschlag.

Arten und Anwendungsbereiche

Öffentliche Ausschreibungen werden national (unterhalb der EU-Schwellenwerte) oder EU-weit (oberhalb der Schwellenwerte) durchgeführt.
Typische Einsatzbereiche sind:

  • Bauprojekte öffentlicher Auftraggeber

  • Lieferungen technischer Ausrüstung oder IT-Systeme

  • Dienstleistungen im Bereich Reinigung, Beratung oder Facility Management

Eine öffentliche Ausschreibung ist im Unterschwellenbereich das Standardverfahren und findet Anwendung, wenn:

  • der geschätzte Auftragswert unterhalb der EU-Schwellenwerte liegt,

  • der geschätzte Auftragswert über 1.000 Euro liegt (dies ist laut § 14 UVgO der maximale Wert für Direktaufträge),

  • öffentliche Mittel verwendet werden,

  • keine besonderen Bedingungen oder Ausnahmen vorliegen, die eine andere Vergabeart rechtfertigen.

Für Aufträge oberhalb der EU-Schwellenwerte kommt statt der öffentlichen Ausschreibung das sogenannte offene Verfahren zum Einsatz. Auch dieses Verfahren ist für eine unbegrenzte Anzahl von Unternehmen zugänglich, unterliegt jedoch den EU-Vergaberegeln.

Warum ist die öffentliche Ausschreibung wichtig?

Das Verfahren hat eine zentrale Bedeutung für die Integrität und Effizienz öffentlicher Beschaffung. Es gewährleistet Chancengleichheit, da sich grundsätzlich jedes geeignete Unternehmen beteiligen kann. Durch die transparente Dokumentation aller Schritte bleibt die Vergabe nachvollziehbar und rechtssicher. Gleichzeitig wirkt die Offenheit des Verfahrens korruptionspräventiv, da Manipulationsmöglichkeiten minimiert werden. Zudem stärkt ein breiter Bieterwettbewerb Innovation und führt häufig zu besseren Angeboten und wirtschaftlicheren Ergebnissen.

Digitale Entwicklungen im Vergabewesen

Mit der zunehmenden Digitalisierung verändern sich auch die Verfahren der öffentlichen Ausschreibung. Elektronische Vergabesysteme unterstützen Auftraggeber und Unternehmen dabei, Ausschreibungen effizient zu veröffentlichen, Unterlagen sicher bereitzustellen und den gesamten Austausch revisionssicher digital abzuwickeln. Moderne Plattformen erleichtern nicht nur die Bekanntmachung und Angebotsabgabe, sondern auch das Dokumentenmanagement und die rechtssichere Kommunikation innerhalb des Vergabeprozesses.

Neben der technischen Weiterentwicklung gewinnen weitere Themen an Bedeutung, etwa Nachhaltigkeitsanforderungen (Green Public Procurement), die Einbindung sozialer Kriterien oder erhöhte Anforderungen an Datenschutz und IT-Sicherheit. Diese Aspekte prägen zunehmend die Gestaltung moderner Vergabestrategien und damit auch die öffentliche Ausschreibung selbst.

Öffentliche Vergabeverfahren nach nationalen und EU-weiten Recht ausschreiben und vergeben. Sowohl evergabe.de als auch der evergabe Manager unterstützt Auftraggeber.

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