Was ist die Doppelte Wesentlichkeit?
Die doppelte Wesentlichkeit ist das zukünftige Prinzip der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Sie beschreibt demnach die zwei Perspektiven des Einflusses von Nachhaltigkeitsaspekten. In 2024 wird die doppelte Wesentlichkeit zudem eine bedeutende Rolle, besonders in den Unternehmen die bereits der Nachhaltigkeitsberichtserstattung unterliegen, spielen. Das hängt vor allem mit dem in Kraft treten des CSRD sowie dem Überarbeiten der aktuellen Berichtspflicht zusammen.
Die erste Perspektiven ist die Outside-in-Perspektive oder auch „finanzielle Wesentlichkeit” (§ 289b HGB). Diese wurde bisher angewandt und beschreibt den Einfluss der Nachhaltigkeitsaspekte auf das Unternehmen, insbesondere den wirtschaftlichen Aspekt. Diese Perspektive setzte man häufig mit einer Art Risikobestandsaufnahme oder einem Risikomanagement gleich.
Die zweite Perspektive ist die Inside-out-Perspektive. Diese wird zukünftig ebenfalls mit in den Nachhaltigkeitsbericht aufgenommen. Hier werden die Einflüsse des Unternehmens auf die Gesellschaft sowie der Umwelt beschrieben.
Bei den Neuerungen zum Nachhaltigkeitsbericht, werden beide Perspektiven der doppelte Wesentlichkeit unabhängig voneinander aufgenommen. Die Erweiterung der CSR Berichtspflicht (CSRD) soll neben dem Vergrößern des Umfangs, ebenso für mehr Aussagekraft, Vergleichbarkeit und Transparenz sorgen. Darüber hinaus spricht man neben den Finanzinvestoren damit auch Verbraucher, Arbeitnehmer und die Gesellschaft an.
Inhalt des Nachhaltigkeitsberichts
Im Folgenden ist aufgeschlüsselt welche Punkte die Perspektiven der doppelten Wesentlichkeit beinhalten beziehungsweise beinhalten sollen.
Outside-in-Perspektive
Beeinflussen externer Entwicklungen auf Geschäftsmodell, Strategie und Umsatz
Branchenspezifische Themen im Nachhaltigkeitsbereich
Hauptrisiken für Unternehmen, Produkt oder Dienstleistung
Risiken steuern und mindern
Inside-out-Perspektive
Umwelt, dazu gehört: Klimaauswirkungen, Umweltverschmutzungen vermeiden/mindern, Umweltauswirkungen und Energienutzung, Biodiversität
Soziales, dazu gehört: Gesundheit am Arbeitsplatz, Arbeitssicherheit, Diversität, Menschenrechte, Engagement
Governance, dazu gehört: Führungs- und Kontrollprozesse, Korruptionsbekämpfung
Kontext und gesetzliche Einordnung
Die Einführung der doppelten Wesentlichkeit ist direkt mit der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) der Europäischen Union verbunden, die die bisherige nichtfinanzielle Berichterstattung ablöst. Die CSRD weitet den Kreis der berichtspflichtigen Unternehmen deutlich aus und fordert die Anwendung der European Sustainability Reporting Standards (ESRS). Diese Standards legen die genauen Berichtsinhalte fest und machen die doppelte Wesentlichkeit zum zentralen Analysekriterium.
Die Notwendigkeit, sowohl die finanziellen Auswirkungen auf das Unternehmen (Outside-in) als auch die Auswirkungen des Unternehmens auf die Nachhaltigkeit (Inside-out) zu betrachten, ist eine Reaktion auf die globale Forderung nach umfassenderen, vergleichbareren und prüffähigen Nachhaltigkeitsinformationen. Dies stellt einen Paradigmenwechsel in der Berichterstattung dar und zielt darauf ab, die Entscheidungen von Investoren und anderen Stakeholdern ganzheitlicher zu informieren.